Gewährleistungslabel und GARAN-Label in Shopify: Was du bis September 2026 umsetzen musst
Ab dem 27. September 2026 gelten für viele Shopify-Shops neue Informationspflichten. Händler, die Waren an Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU verkaufen, müssen mit einer einheitlichen EU-Mitteilung auf das gesetzliche Gewährleistungsrecht hinweisen.
Zusätzlich kommt bei bestimmten Produkten das EU-GARAN-Label hinzu. Dieses kennzeichnet jedoch nicht jede beliebige Garantie, sondern ausschließlich eine besondere, kostenlose Haltbarkeitsgarantie des Herstellers.
Was zunächst nach zwei neuen Grafiken klingt, betrifft in Shopify mehrere Bereiche:
- die sichtbare Storefront
- Produktseiten mit einer qualifizierenden Herstellergarantie
- den letzten Schritt vor der Bestellung
- die Bestellbestätigung
- die vollständigen Garantiebedingungen
- Produktdaten, Sprachen und unterschiedliche Verkaufskanäle
In diesem Guide zeigen wir dir, welche Regeln gelten, wann du welches Label benötigst und wie du die Anforderungen technisch in Shopify umsetzen kannst.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein über den Rechtsstand vom 26. August 2026 und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Das Wichtigste in Kürze
- Die neuen Pflichten gelten ab dem 27. September 2026.
- Das allgemeine Gewährleistungslabel gilt auf Shop-Ebene und betrifft grundsätzlich B2C-Shops, die Waren an Verbraucher in der EU verkaufen.
- Das GARAN-Label gilt nur bei einer kostenlosen Haltbarkeitsgarantie des Herstellers von mehr als zwei Jahren, die das gesamte Produkt abdeckt.
- Das allgemeine Gewährleistungslabel muss prominent auf der Website verfügbar sein.
- Das GARAN-Label muss eindeutig dem betroffenen Produkt zugeordnet werden.
- Bei GARAN-Produkten muss das Label in Deutschland zusätzlich unmittelbar vor Abgabe der Bestellung erscheinen.
- Beide EU-Darstellungen sollten auch in die Bestellbestätigung aufgenommen werden.
- Die vollständigen Garantiebedingungen werden durch das GARAN-Label nicht ersetzt.
- Online müssen die offiziellen Farbversionen verwendet werden.
- Die vorgegebenen Grafiken dürfen nicht frei an das eigene Shopify-Design angepasst werden.
Gewährleistung und Garantie sind nicht dasselbe
Bevor es um die neuen Labels geht, müssen zwei Begriffe voneinander getrennt werden.
Gewährleistung: gesetzliche Rechte gegenüber dem Verkäufer
Die Gewährleistung – rechtlich genauer: die gesetzliche Mängelhaftung – entsteht automatisch durch den Kaufvertrag.
Sie betrifft Mängel, die bei Übergabe der Ware bereits vorhanden oder zumindest angelegt waren. Vertragspartner und Ansprechpartner für diese gesetzlichen Rechte ist grundsätzlich der Verkäufer, also in der Regel der Betreiber des Shopify-Shops.
Bei gewöhnlichen Waren verjähren Mängelansprüche in Deutschland grundsätzlich zwei Jahre nach der Ablieferung. Zeigt sich innerhalb des ersten Jahres ein Mangel, wird bei einem Verbrauchsgüterkauf grundsätzlich vermutet, dass die Ware bereits bei Übergabe mangelhaft war.
Je nach Fall können Verbraucher insbesondere folgende Rechte haben:
- Reparatur oder Ersatzlieferung
- Minderung des Kaufpreises
- Rücktritt vom Kaufvertrag
- gegebenenfalls Schadensersatz
Bei gebrauchten Waren kann die Verjährungsfrist unter bestimmten Voraussetzungen auf ein Jahr verkürzt werden. Ein beiläufiger Hinweis in den AGB reicht dafür nicht aus. Verbraucher müssen vor der Bestellung eigens informiert werden und der Verkürzung ausdrücklich sowie gesondert zustimmen.
Die rechtlichen Grundlagen finden sich insbesondere in den §§ 437, 438, 476 und 477 BGB.
Garantie: eine zusätzliche freiwillige Zusage
Eine Garantie ist eine zusätzliche Verpflichtung eines Garantiegebers. Das kann beispielsweise der Hersteller, der Verkäufer oder ein anderer Dritter sein.
Die Garantie kann eigene Bedingungen enthalten, etwa:
- welche Ware oder welche Bestandteile abgedeckt sind
- wie lange die Garantie gilt
- in welchen Ländern sie gilt
- welche Schäden ausgeschlossen sind
- wie ein Garantiefall gemeldet werden muss
- ob repariert, ersetzt oder der Kaufpreis erstattet wird
Die gesetzlichen Mängelrechte bleiben unabhängig von einer Garantie bestehen. Eine Garantie darf deshalb nicht den Eindruck erwecken, dass Verbraucher ihre Rechte gegenüber dem Verkäufer verlieren.
Warum kommen jetzt neue EU-Labels?
Die neuen Vorgaben gehen auf die Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel zurück.
Die konkrete Gestaltung der beiden EU-Darstellungen regelt die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960.
In Deutschland wurden die neuen Informationspflichten unter anderem durch das Gesetz zur Änderung des Verbrauchervertrags- und des Versicherungsvertragsrechts umgesetzt.
Die beiden Darstellungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben:
Gewährleistungslabel und EU-GARAN-Label im Vergleich
| Darstellung | Ebene | Zweck |
|---|---|---|
| Gewährleistungslabel | Shop-Ebene | Allgemeiner Hinweis auf das gesetzliche Gewährleistungsrecht |
| EU-GARAN-Label | Produkt-Ebene | Kennzeichnung einer bestimmten Haltbarkeitsgarantie des Herstellers |
1. Das allgemeine Gewährleistungslabel
Das Gewährleistungslabel wird im EU-Recht als harmonisierte Mitteilung über das gesetzliche Gewährleistungsrecht bezeichnet.
Es informiert Verbraucher unter anderem darüber:
- dass Waren in der EU durch ein gesetzliches Gewährleistungsrecht geschützt sind
- dass dieser Schutz mindestens zwei Jahre besteht
- wann gesetzliche Mängelrechte geltend gemacht werden können
- welche Abhilfen grundsätzlich zur Verfügung stehen
- dass der Verkäufer für die gesetzliche Gewährleistung zuständig ist
- wo weiterführende Informationen zu finden sind
Die Mitteilung enthält einen QR-Code, der zum offiziellen Informationsangebot der Europäischen Union führt.
Wer muss das Gewährleistungslabel anzeigen?
Betroffen sind grundsätzlich Händler, die Waren an Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU verkaufen.
Für Shopify bedeutet das:
- Ein klassischer B2C-Shop mit physischen Waren ist grundsätzlich betroffen.
- Ein gemischter B2B-/B2C-Shop muss die Vorgaben für seine Verkäufe an Verbraucher berücksichtigen.
- Ein Shop, der nachweislich ausschließlich an Unternehmen verkauft, fällt grundsätzlich nicht unter diese B2C-Informationspflicht.
- Für eigenständige digitale Inhalte und Dienstleistungen gelten teilweise andere Informationspflichten.
- Waren mit digitalen Elementen bleiben Waren und können deshalb grundsätzlich von der Mitteilung erfasst sein.
Wo muss die Mitteilung im Shopify-Shop erscheinen?
Die harmonisierte Mitteilung ist eine Information auf Shop-Ebene. Sie muss prominent und vor Abgabe der Bestellung verfügbar sein.
Die Europäische Kommission nennt in ihren praktischen Leitlinien mehrere mögliche Positionen:
- im Header des Onlineshops
- auf einer Katalog- oder Übersichtsseite
- auf Produktseiten
- im Checkout
Dabei kann zunächst ein deutlich sichtbarer Hinweis wie „Deine gesetzlichen Gewährleistungsrechte“ erscheinen. Nach dem ersten Klick oder Antippen wird die vollständige EU-Mitteilung angezeigt.
Die offiziellen Vorgaben verlangen nicht pauschal, dass die vollständige Grafik dauerhaft auf jeder Produktseite stehen muss. Eine kaum sichtbare Verlinkung im Footer ist wegen der geforderten hervorgehobenen Darstellung jedoch riskant.
Für Shopify ist deshalb eine shopweit sichtbare Lösung im Header oder in einem klar erkennbaren Informationsblock sinnvol
Das sollte die digitale Darstellung erfüllen
- Verwendung der offiziellen RGB-Farbversion
- vollständige und unveränderte Darstellung
- gute Lesbarkeit in der normalen Ansicht
- responsive Darstellung auf Smartphones
- bedienbar per Klick und Touch
- nicht ausschließlich von einem Mouseover abhängig
- klickbarer Link zum gleichen Ziel wie der QR-Code
- korrekte Sprachversion für den jeweiligen Markt
Die EU-Leitlinien empfehlen ausdrücklich, zusätzlich zum QR-Code einen klickbaren Link bereitzustellen. Für die deutsche Version führt dieser zu:
europa.eu/youreurope/garantien
Darf das Gewährleistungslabel angepasst werden?
Nein. Die Mitteilung muss vollständig verwendet werden.
Nicht zulässig sind insbesondere:
- andere Farben
- ein ausgetauschter QR-Code
- entfernte oder ergänzte Texte
- veränderte Schriftarten
- neue Icons
- ein Beschnitt der Grafik
- ein gestrecktes oder verzerrtes Seitenverhältnis
- ein Nachbau im Design des Shopify-Themes
Die offiziellen Dateien stehen als PDF, PNG, JPG und SVG zur Verfügung.
2. Das EU-GARAN-Label
Das GARAN-Label ist keine allgemeine Garantieauszeichnung. Es darf nur verwendet werden, wenn eine ganz bestimmte Haltbarkeitsgarantie des Herstellers vorliegt.
Alle folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
- Die Garantie wird vom Hersteller gewährt.
- Sie verursacht für den Verbraucher keine zusätzlichen Kosten.
- Sie gilt länger als zwei Jahre.
- Sie deckt die gesamte Ware ab.
- Der Hersteller stellt dem Händler die erforderlichen Informationen zur Verfügung.
Fehlt eine dieser Voraussetzungen, darf das GARAN-Label für das Produkt nicht verwendet werden.
Beispiele
| Garantieaussage | GARAN-Label? | Begründung |
|---|---|---|
| Drei Jahre kostenlose Herstellergarantie auf das gesamte Produkt | ✓ Ja | Alle Voraussetzungen sind erfüllt. |
| Genau zwei Jahre Herstellergarantie | × Nein | Die Garantie gilt nicht länger als zwei Jahre. |
| Fünf Jahre Garantie nur auf den Motor | × Nein | Nicht die gesamte Ware ist abgedeckt. |
| Vier Jahre kostenpflichtige Garantieverlängerung | × Nein | Die Garantie wird nicht kostenlos gewährt. |
| Drei Jahre Garantie des Händlers | × Nein | Es handelt sich nicht um die erfasste Herstellergarantie. |
| Drei Jahre Herstellergarantie auf das gesamte Gerät, ausgenommen Akku | × Nein | Die gesamte Ware ist nicht vollständig abgedeckt. |
Das GARAN-Label ist nur vorgesehen, wenn der Hersteller eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren für das gesamte Produkt anbietet.
Andere Garantieformen bleiben möglich. Sie müssen aber so kommuniziert werden, dass keine Verwechslung mit der durch das GARAN-Label gekennzeichneten Haltbarkeitsgarantie entsteht.
Wer erstellt das GARAN-Label?
Der Hersteller sollte dem Händler die erforderlichen Informationen und idealerweise das fertig ausgefüllte Label zur Verfügung stellen.
Nur drei Bestandteile des offiziellen Templates werden produktspezifisch ausgefüllt:
- Garantiedauer in Jahren
- Marke beziehungsweise Markenzeichen des Herstellers
- Modellkennung des Produkts
Alle anderen Bestandteile sind fest vorgegeben.
Für die editierbaren Angaben ist die Schriftfamilie Inter in den vorgesehenen Schnitten zu verwenden. Das Seitenverhältnis, die Abstände, Farben, Schriftgrößen und festen Elemente dürfen nicht verändert werden.
Der Hersteller kann grundsätzlich ganze oder halbe Jahre angeben, beispielsweise 3, 5 oder 4,5 Jahre. Andere Dezimalwerte sind nach den praktischen EU-Leitlinien nicht vorgesehen.
Wo muss das GARAN-Label in Shopify erscheinen?
Hier liegt der wichtigste Unterschied zur allgemeinen Gewährleistungsmitteilung.
1. Auf der Produktseite
Das GARAN-Label muss eindeutig dem Produkt zugeordnet werden, für das die Haltbarkeitsgarantie gilt.
Geeignete Positionen sind beispielsweise:
- bei den Produktbildern
- unter Produkttitel und Preis
- im Bereich vor dem Warenkorb-Button
- in einem klar erkennbaren Garantieblock
- als offizielles verschachteltes Label
Auf Kollektionsseiten oder in Produktkarussells muss ebenfalls eindeutig erkennbar bleiben, auf welches Produkt sich das Label bezieht.
2. Unmittelbar vor Abgabe der Bestellung
Für deutsche Shopify-Shops reicht die Produktseite allein nicht aus.
Mit Wirkung zum 27. September 2026 wird § 312j Absatz 2 BGB erweitert. Die Information nach Artikel 246a § 1 Absatz 1 Satz 1 Nummer 11a EGBGB – also das produktspezifische GARAN-Label – muss unmittelbar bevor der Verbraucher seine Bestellung abgibt klar, verständlich und hervorgehoben bereitgestellt werden.
Praktisch gehört das GARAN-Label deshalb zusätzlich in die abschließende Bestellübersicht beim Bestellbutton.
Die allgemeine Gewährleistungsmitteilung nach Nummer 11 wurde dagegen nicht in diesen besonderen Katalog des § 312j Absatz 2 BGB aufgenommen.
Kurz gesagt:
- Allgemeines Gewährleistungslabel: prominent auf Shop-Ebene.
- GARAN-Label: am Produkt und zusätzlich unmittelbar vor der Bestellung.
3. In der Bestellbestätigung
Nach § 312f Absatz 2 BGB muss die Vertragsbestätigung grundsätzlich die Pflichtinformationen aus Artikel 246a EGBGB enthalten, wenn sie dem Verbraucher nicht bereits vor Vertragsschluss auf einem dauerhaften Datenträger bereitgestellt wurden.
Eine normale Shopify-Seite ist regelmäßig kein dauerhafter Datenträger, weil ihr Inhalt später geändert werden kann.
Die EU-Leitlinien empfehlen daher ausdrücklich, sowohl die allgemeine Gewährleistungsmitteilung als auch das produktspezifische GARAN-Label in die Bestätigungs-E-Mail aufzunehmen.
Verschachtelte Darstellung des GARAN-Labels
Für begrenzte Bildschirmflächen stellt die EU ein offizielles kompaktes GARAN-Element bereit.
Bei Verwendung dieser verschachtelten Darstellung muss das vollständige Label erscheinen:
- beim ersten Klick
- beim ersten Mouseover
- oder beim ersten Antippen beziehungsweise Aufklappen auf dem Touchscreen
Für Shopify ist eine klick- und tastaturbedienbare Lösung meist zuverlässiger als eine reine Mouseover-Darstellung.
Zusätzlich sollte ein klickbarer Link zum gleichen Ziel wie der QR-Code vorhanden sein:
Informationen zum EU-GARAN-Label
Das GARAN-Label ersetzt nicht die Garantiebedingungen
Das Label informiert über das Bestehen und die Dauer der Haltbarkeitsgarantie. Es ersetzt nicht die vollständige Garantieerklärung.
Nach § 479 BGB muss eine Garantieerklärung einfach und verständlich formuliert sein und insbesondere enthalten:
- Hinweis auf die gesetzlichen Mängelrechte
- Hinweis darauf, dass deren Inanspruchnahme unentgeltlich ist
- Klarstellung, dass die Garantie diese Rechte nicht einschränkt
- Name und Anschrift des Garantiegebers
- Verfahren zur Geltendmachung
- Bezeichnung der erfassten Ware
- Dauer der Garantie
- räumlicher Geltungsbereich
- weitere Garantiebedingungen
Die Garantieerklärung muss spätestens bei Lieferung auf einem dauerhaften Datenträger bereitgestellt werden, beispielsweise als E-Mail, PDF oder Papierbeilage.
Wann müssen die Labels spätestens live sein?
Die Pflichten gelten ab dem 27. September 2026.
Dein Shopify-Setup sollte deshalb spätestens am 26. September 2026 vollständig veröffentlicht und getestet sein.
Ab Beginn des 27. September müssen alle betroffenen B2C-Bestellungen den neuen Anforderungen entsprechen. Eine Übergangsfrist für bereits vorhandene Produkte oder ältere Lagerbestände ist nicht vorgesehen.
Entscheidend ist nicht, wann das Produkt in den Shop aufgenommen oder produziert wurde, sondern ob es ab dem Stichtag an Verbraucher verkauft wird.
So setzt du das allgemeine Gewährleistungslabel in Shopify um
Für die allgemeine Mitteilung gibt es mehrere Möglichkeiten.
Option 1: Theme-Section oder Theme-Block
Du lädst die offizielle RGB-Datei unter „Inhalt → Dateien“ hoch und bindest sie über eine Theme-Section ein.
Mögliche Platzierungen:
- globaler Header-Hinweis
- Informationsleiste
- eigener Block auf Produktseiten
- Warenkorb
- sichtbarer Hinweis mit Modal oder Aufklappbereich
Vorteile:
- keine zusätzliche App
- in jedem regulären Shopify-Plan möglich
- volle Kontrolle über die Position
- gut mit Shopify Markets kombinierbar
Wichtig ist, dass die Grafik vollständig und lesbar erscheint und nicht nur auf einer versteckten Unterseite liegt.
Option 2: Theme-App-Block
Eine Shopify-App kann die Mitteilung als App-Block bereitstellen.
Prüfe vor der Installation:
- Werden die offiziellen EU-Dateien verwendet?
- Sind alle benötigten Sprachen vorhanden?
- Gibt es einen klickbaren Link neben dem QR-Code?
- Funktioniert die Darstellung auf Mobilgeräten?
- Kann der Block im Header, auf Produktseiten oder im Warenkorb platziert werden?
- Wird auch die Bestellbestätigung unterstützt?
Da entsprechende Apps erst kurz vor dem Stichtag veröffentlicht werden, solltest du dich nicht allein auf Produktbeschreibung, Werbeaussagen oder App-Store-Screenshots verlassen.
So verwaltest du GARAN-Produkte in Shopify
- Für GARAN-Produkte sind strukturierte Produktdaten sinnvoll.
- Empfohlene Produkt-Metafelder
- GARAN relevant: Ja/Nein
- GARAN Label-Datei: Datei
- Garantiedauer: Zahl
- Hersteller/Marke: Text oder Metaobjekt
- Modellkennung: Text
- Garantiebedingungen: Datei oder Seitenreferenz
- Herstellerbestätigung: interne Datei
- Letzte Prüfung: Datum
Alternativ kann ein Metaobjekt „Herstellergarantie“ verwendet werden. Darin lassen sich wiederverwendbare Hersteller- und Garantieinformationen zentral verwalten.
Shopify unterstützt die Verbindung von Metafeldern und Metaobjekten mit dynamischen Theme-Quellen.
Die Shopify-Herausforderung: GARAN im Checkout
Der technisch schwierigste Punkt ist die Darstellung unmittelbar vor dem Bestellbutton.
Shopify Plus
Bei Shopify Plus lässt sich das GARAN-Label über eine Checkout UI Extension in den eigentlichen Checkout-Schritten ausgeben.
Die Erweiterung kann:
- Warenkorbpositionen prüfen
- Produkt-Metafelder auslesen
- nur für GARAN-Produkte das passende Label anzeigen
- mehrere betroffene Produkte getrennt darstellen
- das Label nahe am abschließenden Bestellbutton platzieren
Das ist für Shops mit mehreren GARAN-Produkten die sauberste und kontrollierbarste Lösung.
Shopify ohne Plus
Bei Basic, Grow und Advanced sind individuelle Checkout UI Extensions in den Informations-, Versand- und Zahlungsschritten grundsätzlich nicht verfügbar.
Shopify bietet für deutsche Shops zwar einen zusätzlichen Bestätigungsschritt an. Dieser lässt sich unter „Einstellungen → Allgemein → Bestellabwicklung“ aktivieren. Über den Theme-Spracheneditor kann dort ein statischer „HTML für Überprüfungshinweis“ ergänzt werden.
Diese Funktion ist jedoch nicht automatisch produktspezifisch. Ein statischer Text erkennt nicht selbstständig:
- ob ein GARAN-Produkt im Warenkorb liegt
- welches Label benötigt wird
- welche Modellkennung gilt
- ob mehrere unterschiedliche GARAN-Produkte bestellt werden
Deshalb sollte diese Funktion nicht ungeprüft als vollständige GARAN-Lösung betrachtet werden.
Für Shops ohne Plus kommen praktisch folgende Wege infrage:
- Eine Shopify-App verwenden, die nachweislich auf dem eigenen Plan und unmittelbar vor der Bestellung produktspezifische GARAN-Labels ausgibt.
- Den zusätzlichen Bestätigungsschritt aktivieren und gemeinsam mit Shopify beziehungsweise einer Rechtsberatung prüfen, ob die konkrete Darstellung dort ausreicht.
- Prüfen, ob Shopify bis zum Stichtag eine eigene europäische Compliance-Funktion bereitstellt.
- Bei regelmäßig vielen GARAN-Produkten eine Shopify-Plus-Lösung beziehungsweise eine alternative Checkout-Architektur bewerten.
Wichtig: Eine App, die das Label nur auf Produktseite und Warenkorb ausgibt, löst nicht automatisch die zusätzliche deutsche Anforderung unmittelbar vor der Bestellung.
Beschleunigte Checkout-Buttons nicht vergessen
Shop Pay, Apple Pay, Google Pay und dynamische „Jetzt kaufen“-Buttons können den normalen Warenkorb überspringen.
Eine reine Warenkorb-Lösung ist deshalb nicht zuverlässig.
Teste mindestens:
- normale Bestellung über den Warenkorb
- „Jetzt kaufen“-Button
- Shop Pay
- Apple Pay
- Google Pay
- PayPal Express
- einseitiger Checkout
- dreiseitiger Checkout
- mobile Darstellung
Wenn ein beschleunigter Zahlungsweg die erforderlichen GARAN-Informationen überspringt, muss dieser Weg angepasst oder gegebenenfalls deaktiviert werden.
Labels in die Shopify-Bestellbestätigung einbauen
Shopify erlaubt die Anpassung unter:
„Einstellungen → Benachrichtigungen → Kundenbenachrichtigungen → Bestellbestätigung“
In den E-Mail-Vorlagen können Produkt-Metafelder über line.product.metafields ausgelesen werden.
Damit lässt sich:
- die allgemeine Gewährleistungsmitteilung bei B2C-Warenbestellungen einfügen
- je Bestellposition prüfen, ob ein GARAN-Label vorhanden ist
- das richtige produktspezifische Label anzeigen
- eine PDF mit den vollständigen Garantiebedingungen verlinken
- eine dauerhafte Kopie der Informationen bereitstellen
Anschließend sollten Test-E-Mails für Bestellungen mit und ohne GARAN-Produkte versendet werden.
Welche Shopify-Lösung passt zu welchem Shop?
| Situation | Empfohlener Ansatz |
|---|---|
| B2C-Shop ohne GARAN-Produkte | Globale Theme-Section plus Bestellbestätigung |
| Kleiner Shop mit wenigen GARAN-Produkten und Shopify Plus | Produkt-Metafelder, Theme-Block, Checkout UI Extension und E-Mail |
| Großer Katalog mit vielen Herstellern | Metaobjekte oder PIM-Anbindung, automatisierte Prüfung, Checkout-Erweiterung und E-Mail |
| Internationaler Shop | Markt- und sprachabhängige Mitteilungen, zentrales Datenmodell und automatisierte Label-Auswahl |
| GARAN-Produkte ohne Shopify Plus | Checkout-Möglichkeit frühzeitig mit App-Anbieter, Shopify und Rechtsberatung klären |
| Reiner B2B-Shop | Prüfen und dokumentieren, ob Verbraucherverträge technisch ausgeschlossen sind |
3. Empfohlener Projektplan
3.1 Betroffenheit prüfen
Klare zuerst:
- Verkaufst du Waren an Verbraucher in der EU?
- Gibt es reine B2B-Verkaufskanäle?
- Welche Märkte und Sprachen sind aktiv?
- Verkaufst du über zusätzliche Kanäle oder Marktplätze?
3.2 GARAN-Produkte identifizieren
Erfasse je Produkt:
- Hersteller
- Modellkennung
- Garantiedauer
- kostenlose oder kostenpflichtige Garantie
- vollständige oder teilweise Abdeckung
- Hersteller- oder Händlergarantie
- Garantiebedingungen
- vom Hersteller bereitgestelltes GARAN-Label
Händler sind nach den EU-Leitlinien nicht verpflichtet, aktiv auf beliebigen Produktwebsites nach Garantien zu suchen. Sobald der Hersteller die relevanten Informationen zur Verfügung stellt, müssen sie jedoch korrekt verarbeitet werden.
3.2 Offizielle Dateien herunterladen
Verwende ausschließlich die von der Europäischen Kommission bereitgestellten Dateien.
Für Shopify sind meistens SVG- oder hochauflösende PNG-Dateien sinnvoll. Das GARAN-Label sollte idealerweise bereits korrekt vom Hersteller ausgefüllt geliefert werden.
3.4 Datenmodell aufbauen
Lege Metafelder oder Metaobjekte an, bevor Label-Informationen in Produktbeschreibungen oder Theme-Code verteilt werden.
3.5 Storefront umsetzen
Integriere:
- den allgemeinen Gewährleistungshinweis auf Shop-Ebene
- das GARAN-Label bei betroffenen Produkten
- klickbare EU-Links
- responsive und zugängliche Aufklappfunktionen
3.6 Checkout lösen
Bei GARAN-Produkten muss die Darstellung unmittelbar vor der Bestellung technisch und rechtlich geklärt werden. Dieser Punkt sollte nicht bis kurz vor dem Stichtag verschoben werden.
3.7 Bestellbestätigung anpassen
Ergänze die allgemeinen und produktspezifischen Informationen und teste die E-Mail-Vorlagen.
3.8 Alle Bestellwege testen
Prüfe verschiedene Geräte, Sprachen, Zahlungsarten und Express-Checkouts.
3.9 Spätestens am 26. September veröffentlichen
Plane ausreichend Zeit für Fehlerkorrekturen, Übersetzungen und die rechtliche Abschlussprüfung ein.
4. Typische Fehler
Das GARAN-Label nur auf der Produktseite anzeigen
Für Deutschland muss es bei betroffenen Produkten zusätzlich unmittelbar vor der Bestellung erscheinen.
Gewährleistung als freiwilligen Vorteil bewerben
Die gesetzliche Gewährleistung ist kein Bonus. Formulierungen wie „Bei uns inklusive: zwei Jahre Gewährleistung“ können einen gesetzlichen Standard irreführend als besonderen Vorteil darstellen.
Das GARAN-Label bei jeder Garantie verwenden
Eine zweijährige, kostenpflichtige, auf einzelne Bauteile beschränkte oder vom Händler gewährte Garantie reicht nicht aus.
Die Grafik an das eigene Branding anpassen
Farben, Schriften, QR-Code, Abstände und feste Bestandteile sind vorgegeben.
Den allgemeinen Hinweis im Footer verstecken
Die Mitteilung muss prominent sein. Ein kaum wahrnehmbarer Footer-Link ist keine empfehlenswerte Umsetzung.
Eine Warenkorb-App mit einer Checkout-Lösung verwechseln
Der Warenkorb ist nicht automatisch der letzte Schritt vor der Bestellung. Außerdem können Express-Checkouts ihn überspringen.
Die Bestellbestätigung vergessen
Die Storefront ist normalerweise kein dauerhafter Datenträger. Beide EU-Darstellungen sollten daher zusätzlich in der Vertragsbestätigung enthalten sein.
Das GARAN-Label mit den Garantiebedingungen verwechseln
Das Label ersetzt die vollständige Garantieerklärung nicht.
5. FAQ
Ab wann gelten die neuen Pflichten?
Ab dem 27. September 2026. Die Umsetzung sollte spätestens am 26. September vollständig live und getestet sein.
Muss das allgemeine Gewährleistungslabel auf jeder Produktseite stehen?
Nicht zwingend. Die EU behandelt es als Information auf Shop-Ebene und nennt unter anderem Header, Katalogseite, Produktseite oder Checkout als mögliche Positionen. Entscheidend ist eine prominente und gut zugängliche Darstellung vor Vertragsschluss.
Muss das GARAN-Label auf die Produktseite?
Es muss eindeutig dem betroffenen Produkt zugeordnet werden. Eine prominente Einbindung auf der Produktseite ist dafür die naheliegende Lösung.
Muss das GARAN-Label zusätzlich in den Checkout?
In Deutschland muss es unmittelbar vor Abgabe der Bestellung hervorgehoben angezeigt werden. Die Produktseite allein reicht deshalb nicht aus.
Gilt das GARAN-Label bei genau zwei Jahren Garantie?
Nein. Die Haltbarkeitsgarantie muss länger als zwei Jahre gelten.
Darf das Label bei einer Garantie nur auf den Akku verwendet werden?
Nein. Das GARAN-Label setzt eine Garantie für die gesamte Ware voraus.
Darf ich das GARAN-Label für meine eigene Händlergarantie verwenden?
Nur wenn du bei dem Produkt selbst als Hersteller beziehungsweise Produzent die erfasste Haltbarkeitsgarantie gewährst. Eine reine Händlergarantie für fremde Produkte wird nicht durch das GARAN-Label gekennzeichnet.
Benötige ich Shopify Plus?
Für das allgemeine Gewährleistungslabel, die Produktdarstellung und die Bestellbestätigung nicht. Shopify Plus wird relevant, wenn produktspezifische GARAN-Informationen kontrolliert innerhalb der eigentlichen Checkout-Schritte ausgegeben werden sollen. Ohne Plus muss die konkrete Lösung besonders sorgfältig geprüft werden.
Ersetzt das GARAN-Label die Garantiebedingungen?
Nein. Die vollständige Garantieerklärung bleibt erforderlich und muss spätestens bei Lieferung auf einem dauerhaften Datenträger bereitgestellt werden.
Was gilt für alte Lagerbestände?
Für Waren, die ab dem 27. September 2026 an Verbraucher verkauft werden, gilt keine allgemeine Ausnahme wegen eines früheren Produktions- oder Einkaufsdatums.
Welche Sprachversion muss ich verwenden?
Beim allgemeinen Gewährleistungslabel sollte die zum jeweiligen Shop beziehungsweise Markt passende Sprachversion verwendet werden. Das GARAN-Label enthält den Hinweis „Herstellergarantie in Jahren“ bereits in allen EU-Amtssprachen, die Garantiebedingungen müssen aber weiterhin klar und verständlich bereitgestellt werden.
Fazit: Die Produktseite ist nur ein Teil der Lösung
Die neuen EU-Vorgaben sind keine reine Designaufgabe.
Das allgemeine Gewährleistungslabel muss prominent auf Shop-Ebene erscheinen. Das GARAN-Label benötigt dagegen zuverlässige Herstellerdaten, eine eindeutige Produktzuordnung und in Deutschland eine zusätzliche Darstellung unmittelbar vor der Bestellung.
Für Shopify-Händler ergibt sich daraus ein klares Zielbild:
- offizielle EU-Dateien verwenden
- Produkte strukturiert prüfen
- GARAN-Daten über Metafelder oder Metaobjekte verwalten
- Label auf der Produktseite darstellen
- GARAN-Produkte unmittelbar vor der Bestellung kennzeichnen
- beide EU-Darstellungen in die Bestellbestätigung aufnehmen
- vollständige Garantiebedingungen dauerhaft bereitstellen
- alle normalen und beschleunigten Checkouts testen
- Besonders Shops ohne Shopify Plus sollten frühzeitig prüfen, wie sie das produktspezifische GARAN-Label im letzten Bestellschritt darstellen können. Eine Lösung, die nur auf der Produktseite oder im Warenkorb funktioniert, greift zu kurz.
Quellen & weiterführende Dokumentation
Rechtliche Grundlagen und EU-Leitlinien:
- Richtlinie (EU) 2024/825
- Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960
- Praktische Leitlinien der Europäischen Kommission
- Offizielle Dateien für Gewährleistungsmitteilung und GARAN-Label
- EU-Informationen für Verkäufer und Hersteller
- Deutsches Umsetzungsgesetz – BGBl. 2026 I Nr. 28
- § 479 BGB – Sonderbestimmungen für Garantien
- § 312f BGB – Vertragsbestätigung
- Artikel 246a § 4 EGBGB – Zeitpunkt und Form der Informationen
- Shopify: Theme-Abschnitte, Blöcke und dynamische Quellen
- Shopify: Metaobjekte verbinden und anzeigen
- Shopify: Wichtige Informationen im deutschen Checkout anzeigen
- Shopify: Verfügbarkeit von Checkout-Erweiterungen
- Shopify: E-Mail-Benachrichtigungsvorlagen anpassen
- Shopify: Variablen für Benachrichtigungen
- Shopify: Beschleunigte Checkout-Buttons












